Wie bewirbt man sich?

Zuerst einmal muss ich sagen, ich wollte schon immer mal auf einem Kreuzfahrtschiff arbeiten. Irgendwann als ich diesen Beruf gelernt habe, fand ich heraus, was es hier für schöne Möglichkeiten gibt. Man kann eigentlich alles und überall arbeiten, ist unabhängig von aufwendigem Arbeitsmaterial und diversen Grenzen. Deshalb war für mich schon relativ früh klar, daß es mich einmal auf ein Schiff verschlagen wird. Die Möglichkeit "gratis" die Welt zu sehen, viele interessante Kulturen kennen zu lernen bzw. auch mit ihnen zusammen zu arbeiten waren dabei eigentlich die Hauptgründe für mich. Interessante Nebenaspekte sind etwa der hohe Standart, die Qualität die man bieten kann, meist hat man interessante Gäste und man kann sehr viel Geld auf die Seite legen, weil auf einem Schiff keine Lebenskosten zu tragen sind.

Jetzt wurde die Zeit allerdings reif. Nachdem ich in Österreich in relativ guten Bars gearbeitet habe, konnte ich schon auf gewisse Erfahrung verweisen. Also der 1. Schritt, die Entscheidung war schon mal getroffen. Das war ca. Mitte Jänner 2003 der Fall. Das "Und jetzt mach ich´s" ist glaube ich wichtiger als man denkt. Zumindest war es bei mir so. Es hat schon oft die Möglichkeit gegeben nur dann ist immer etwas dazwischen gekommen, sei es ein neuer interessanter Job, eine neue Freundin oder ähnliches. Generell glaube ich, daß wenn man plant auf ein Schiff zu gehen, es (im Service und Hotelbereich) es leichter ist je kürzer die Ausbildung zurückliegt.

Worauf ich begann nach Möglichkeiten um auf ein Schiff zu kommen zu recherchieren. Hierbei war das Internet sehr Hilfreich, besonders die Begriffe "Arbeiten auf einem Kreuzfahrtschiff", "Arbeit auf einem Kreuzfahrtschiff" und "maritime Jobs" ließen Google interessante Seiten ausspucken, wobei sicher www.kreuzfahrtjobs.de eine der hilfreichsten war.

Anschließend habe ich mich einfach bei mehreren Agenturen beworben. Bei www.rollingpin.at, www.oscars.at und in der Printausgabe des Rolling Pin gibt es genügend Adressen, wobei die Printausgabe die aktuell gesuchten Jobs aufzeigt und in den Onlineausgaben meist alle Links angeführt sind. Wenn Du auf ein spezielles Schiff willst (z.B. auf die Aida) dann schau doch einfach auf der Homepage der Reederei oder des Schiffes nach. Auch hier sind in den meisten Fällen Kontaktadressen angeführt. Es ist wichtig für jede Agentur ein eigenes Anschreiben zu verfassen. Ich würde jedem den schriftlichen Weg empfehlen, hier hat die Person einfach was "in der Hand", kann es ablegen und wieder hervorholen, kann sich darauf Notizen machen und ist somit immer in der Lage interessante Zusatzaspekte aufzuzeichnen.

Dann gibt es noch die Form des Online-Bewerbungs-Formulars. Es ist zwar sehr angenehm, trotzdem muss man irgendwann, wenn es überhaupt dazu kommt weil ja keine Zeugnisse dabei sind, einen schriftlichen Lebenslauf und alle Arbeitszeugnisse einsenden. Es ist also nur doppelte Arbeit und sonst nichts, und das ist wirklich so. Also gleich schriftliche Bewerbungsunterlagen senden.

Außerdem kann man sich noch per E-Mail bewerben und alle restlichen Bewerbungsunterlagen per Anhang mitsenden. Allerdings muss der Personalchef hier alles ausdrucken, das ist mit Arbeit verbunden und deswegen nicht wirklich beliebt, denke ich mir.

Schließlich bleibt noch der Telefonanruf, in dem das erste was Du hören wirst sein wird: "Senden Sie mir Ihre Bewerbungsunterlagen". Ich denke, wenn jemand ausreichend Erfahrung besitzt, dann sollte jeder einen geeigneten Job finden.

So, weiter zum nächsten Schritt, es kommen Antworten (ein Grund zum Freuen). Was mach ich jetzt? Das was in diesem Antwortschreiben steht, meist wird ein Anruf verlangt in dem man sich einen Vorstellungstermin ausmacht. Zu dem erscheint man dann auch pünktlich, mit den verlangten Unterlagen, gut gekleidet und mit viel Selbstvertrauen. So sollte es auf jeden Fall klappen. Zu diesem Thema und zum Thema wie man ein Bewerbungsschreiben verfasst gibt es jedoch reichlich Informationen, also quäle Google und es (heißt es "das Google"?) hilft dir ;-)

Nach dem Bewerbungstermin, den ich für die MS Deutschland in Salzburg hatte, habe ich eigentlich relativ schnell Bescheid bekommen. Ein Datum wurde mir auch genannt und somit erbat ich um eine letzte kurze Überlegungsphase. Dann habe ich mich relativ bald entschieden.

Es ist auch möglich, daß man keinen Vorstellungstermin braucht, sondern telefonisch verständigt wird, und man wird gleich genommen.

Was wenn man nun aufgenommen wird?

Das Schiff ist fix, der Termin ist fix. Mein erster Weg im Internet war auf die Homepage der Reederei. Ich wollte unbedingt wissen wo das Schiff fährt, und das habe ich mir dann auch zur Genüge reingezogen und mich einfach auf die bevorstehenden Erfahrungen gefreut. Auch jetzt immer noch, wenn irgendjemand ein Datum sagt denke ich immer, wo werde ich gerade zu diesem Zeitpunkt sein. Ich weiß z.B. daß ich an meinem Geburtstag in Nizza schlafen gehe und in Toulon aufwache. Ich habe mir genau angeschaut in welchen Häfen eine Overnight stattfindet, d.h. wo das Schiff über Nacht liegen wird und ich wahrscheinlich (hoffentlich?!?) noch ein wenig des Nachtlebens der jeweiligen Stadt erkunden kann. Ich wollte einfach alles wissen, was die Route betrifft. Natürlich habe ich auch Respekt vor der Arbeit die auf mich wartet und ganz selten überkommen mich Zweifel, das denke ich ist aber auch normal, vor einer Hochzeit überkommen Braut und Bräutigam auch oft Zweifel. Aber hauptsächlich freue ich mich wenn ich daran denke in kurzer Zeit mein Leben auf einem Schiff zu verbringen.

Jetzt kommen noch die Unterlagen und Zeugnisse die man braucht. Als erstes muss ein Erste Hilfe Kurs von mindestens 16 Std. absolviert sein, der nicht länger als 5 Jahre zurückliegt. Ein deutsches Seefahrtsbuch ist ebenso notwendig, hierzu fährt man zu einem deutschen Seefahrt Arzt (in meinem Fall in Hamburg) und dort eine Seetauglichkeitsprüfung machen. Mit diesem Seetauglichkeitszeugnis geht man dann auf ein Seefahrtsamt und hat das Seefahrtsbuch an einem Vormittag. Außerdem sind gewisse Impfungen vorgeschrieben und auch empfohlen. Vorgeschrieben sind: Diphtherie, Tetanus, Poliomyelitis, Gelbsucht (in tropischen Fahrtrouten) und Typhus. Eine Malariaprophylaxe und eine Impfung gegen Hepatitis A und B werden empfohlen. Anfallende Kosten für diverse Unterlagen und Impfungen werden von der Reederei nicht übernommen, ob das so üblich ist oder nicht kann ich nicht sagen ich denke aber schon.

Wenn man alles hat sendet man Kopien der Unterlagen an die Reederei und es steht einem Eintreffen an Bord eigentlich nichts mehr im Weg.

 

 

 

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